Sonntag, 15. März 2020

Im Schatten der Pandemie


Hallo Welt,

ich war 16 als die beiden Zwillingstürme in New York einem Anschlag zum Opfer gefallen sind. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich die ersten Bilder auf einem japanischen Sender gesehen habe und mich gefragt habe was da denn los ist? Es dauerte nicht lange und ich verstand, denn jeder andere Sender widmete sich schnell dem Thema und schon lag das erste der beiden Gebäude in Trümmern. Mit 16 war ich schon politisch interessiert, wobei eher die menschliche Geschichte mein Interesse besonders in diese Richtung gedrängt hat. Politik war schon immer da, seit Anbeginn der Menschheit, als der erste Baumbewohner dem zweiten eine Kokosnuss auf den Kopf warf um seinen Unmut zu äußern.

Am nächsten Tag war das World Trade Center ein Trümmerhaufen, denn drei Gebäude klappten in sich zusammen und begruben tausende Menschen. Es begann die Zeit der Anteilnahme, des Erschreckens und der Wut. Also alles so wie immer. Ich muss sagen, dass ich weder traurig, noch erschrocken, noch wütend war, denn selbst ohne die Zeit des Nationalsozialismus haben wir Menschen uns verdammt schlimme Sachen angetan. Und der Anschlag auf das World Trade Center war nur das nächste, aber auch nicht das letzte. Da ich auch keines der Opfer kannte verband mich auch emotional nichts mit der Tat. Jedoch war ich sehr begierig darauf zu erfahren, was es denn mit der Welt machen würde, denn die Rädchen begannen sich zu drehen und nahmen ein verdammt schnelles Tempo auf.

Der Feind wurde ausgemacht. Osama Bin Laden, radikaler Gläubiger des Islam und Dschihadist war diesmal das Monster, das es zu besiegen galt. Seine Basis hatte er zu dem Zeitpunkt in Afghanistan und wurde von den Taliban geschützt, die wiederrum das Land regierten. Die USA und diverse Verbündeten beschlossen in Afghanistan einzumarschieren und Bin Laden zu ergreifen. Als positiven Nebeneffekt würde man das Lang von den Taliban befreien und ein blühendes, westlich orientiertes Land schaffen, das jeglichem Terrorismus abschwören würde.

Am Anfang sah das auch so aus, alles was größer als ein Motorrad war und militärischen Zwecken diente wurde aus der Luft zerstört, kein Problem. Alles was als eine Truppenansammlung aussah wurde aus der Luft zerstört, kein Problem. Nach dem Bombardement kamen die Bodentruppen zum Einsatz und hatten mit den Resten ein relativ einfaches Spiel. Technologie aus der Sowjet-Zeit gegen moderne Waffen, das war sehr einseitig. Der Jubel war groß und weckte die Motivation noch ein Land zu „verändern“, Irak war ja schließlich in der Nähe. Doch nach nicht zu langer Zeit wurden die Schwierigkeiten offensichtlich. Wie jeder Eroberung folgte das schwierige Thema des Haltens. Die Taliban war weiterhin aktiv und nicht alle befreiten Menschen wussten etwas mit der Freiheit anzufangen, vor allem, wenn man auf einmal kein Mohn mehr anbauen und so seine Familie ernähren konnte. Schulen und Menschenrechte füllen keinen Magen. Jetzt begann der „richtige“ der schmutzige Krieg mit Anschlägen und Hinterhalten, das beherrschten die Taliban sehr gut.

Nun, ca. 19 Jahre danach, verhandeln die USA mit den Taliban über einen Waffenstillstand und den Rückzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan. Afghanistan hat sich tatsächlich entwickelt, es bekam auch einen moderneren Anstrich, zumindest in den Metropolen. Doch ich erwarte, dass nach dem Rückzug die afghanische Armee schnell und stetig von den Taliban überrollt wird. Dann wird das Land wieder zurück gesetzt ins Jahr 2001. Für einen echten nachhaltigen Wandel waren die Menschen einfach nicht bereit und in großen Teilen auch nicht willens. Immerhin, den alten Mann hat man nach zig Jahren in einem pakistanischen Dorf erwischt.

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