Hallo Welt,
ich war 16 als die beiden Zwillingstürme in New York einem
Anschlag zum Opfer gefallen sind. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich die
ersten Bilder auf einem japanischen Sender gesehen habe und mich gefragt habe
was da denn los ist? Es dauerte nicht lange und ich verstand, denn jeder andere
Sender widmete sich schnell dem Thema und schon lag das erste der beiden
Gebäude in Trümmern. Mit 16 war ich schon politisch interessiert, wobei eher
die menschliche Geschichte mein Interesse besonders in diese Richtung gedrängt
hat. Politik war schon immer da, seit Anbeginn der Menschheit, als der erste
Baumbewohner dem zweiten eine Kokosnuss auf den Kopf warf um seinen Unmut zu äußern.
Am nächsten Tag war das World Trade Center ein
Trümmerhaufen, denn drei Gebäude klappten in sich zusammen und begruben
tausende Menschen. Es begann die Zeit der Anteilnahme, des Erschreckens und der
Wut. Also alles so wie immer. Ich muss sagen, dass ich weder traurig, noch
erschrocken, noch wütend war, denn selbst ohne die Zeit des Nationalsozialismus
haben wir Menschen uns verdammt schlimme Sachen angetan. Und der Anschlag auf
das World Trade Center war nur das nächste, aber auch nicht das letzte. Da ich auch
keines der Opfer kannte verband mich auch emotional nichts mit der Tat. Jedoch
war ich sehr begierig darauf zu erfahren, was es denn mit der Welt machen
würde, denn die Rädchen begannen sich zu drehen und nahmen ein verdammt
schnelles Tempo auf.
Der Feind wurde ausgemacht. Osama Bin Laden, radikaler
Gläubiger des Islam und Dschihadist war diesmal das Monster, das es zu besiegen
galt. Seine Basis hatte er zu dem Zeitpunkt in Afghanistan und wurde von den
Taliban geschützt, die wiederrum das Land regierten. Die USA und diverse
Verbündeten beschlossen in Afghanistan einzumarschieren und Bin Laden zu
ergreifen. Als positiven Nebeneffekt würde man das Lang von den Taliban
befreien und ein blühendes, westlich orientiertes Land schaffen, das jeglichem
Terrorismus abschwören würde.
Am Anfang sah das auch so aus, alles was größer als ein Motorrad
war und militärischen Zwecken diente wurde aus der Luft zerstört, kein Problem.
Alles was als eine Truppenansammlung aussah wurde aus der Luft zerstört, kein
Problem. Nach dem Bombardement kamen die Bodentruppen zum Einsatz und hatten
mit den Resten ein relativ einfaches Spiel. Technologie aus der Sowjet-Zeit gegen
moderne Waffen, das war sehr einseitig. Der Jubel war groß und weckte die
Motivation noch ein Land zu „verändern“, Irak war ja schließlich in der Nähe.
Doch nach nicht zu langer Zeit wurden die Schwierigkeiten offensichtlich. Wie
jeder Eroberung folgte das schwierige Thema des Haltens. Die Taliban war
weiterhin aktiv und nicht alle befreiten Menschen wussten etwas mit der
Freiheit anzufangen, vor allem, wenn man auf einmal kein Mohn mehr anbauen und
so seine Familie ernähren konnte. Schulen und Menschenrechte füllen keinen
Magen. Jetzt begann der „richtige“ der schmutzige Krieg mit Anschlägen und
Hinterhalten, das beherrschten die Taliban sehr gut.
Nun, ca. 19 Jahre danach, verhandeln die USA mit den Taliban
über einen Waffenstillstand und den Rückzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan.
Afghanistan hat sich tatsächlich entwickelt, es bekam auch einen moderneren
Anstrich, zumindest in den Metropolen. Doch ich erwarte, dass nach dem Rückzug
die afghanische Armee schnell und stetig von den Taliban überrollt wird. Dann
wird das Land wieder zurück gesetzt ins Jahr 2001. Für einen echten
nachhaltigen Wandel waren die Menschen einfach nicht bereit und in großen
Teilen auch nicht willens. Immerhin, den alten Mann hat man nach zig Jahren in
einem pakistanischen Dorf erwischt.